Talon tritt Amt in Benin an

Benins neuer Staatspräsident Patrice Talon (links) nimmt am 6. April 2016 die Flagge seines Landes von einem beninischen Wehrmann entgegen.
Benins neuer Staatspräsident Patrice Talon (links) nimmt am 6. April 2016 die Flagge seines Landes von einem beninischen Wehrmann entgegen.

Der neue beninische Staatspräsident Patrice Athanase Guillaume Talon ist am 6. April 2016 in Porto-Novo, der Hauptstadt Benins, vereidigt worden, hat sein Amt sofort angetreten und die Namen der Mitglieder seiner Regierung bekanntgegeben. Bei seiner Antrittsrede am 6. April 2016 erklärte Patrice Talon: „Während ich mit Ihnen unseren  außerordentlichen Kurs feststelle, möchte ich die demokratische Verankerung Benins anerkennen und begrüßen, das auf diese Weise noch einmal seine Fähigkeit, den Herausforderungen beizukommen, die sich ihm immer gestellt haben,  beweist. Jedoch auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene sowie was den Genuss der persönlichen Freiheiten betrifft, ist die Bestandsaufnahme kaum glänzend. Die politischen Reformen, die Restrukturierung unserer Volkswirtschaft und der Wiederaufbau des sozialen Gefüges sollen dringend vorgenommen werden…

Der neue Präsident hat sich verpflichtet, seinem Land nur während einer fünfjährigen Amtszeit zu dienen. Das bedeutet, er wird nicht mehr im Jahre 2021 für das höchste öffentliche Amt in Benin kandidieren. Mit der Hilfe der Nationalversammlung Benins will er Gesetze verabschieden lassen, wonach jeder Staatspräsident Benins hinfort nur eine einzige Amtszeit hinter sich bringen würde und jemand, der schon einmal Staatspräsident Benins gewesen ist, nimmermehr für das höchste öffentliche Amt in Benin kandidieren würde. Das ist eine „vorbildliche Demokratie“ aus dem Golf von Guinea, in Afrika. 

Talon, der Mann des „Neuen Startes„, hatte am 20. März 2016 die Präsidentschaftswahl im zweiten Wahlgang für sich entschieden. Er hatte 65,37 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten, während Lionel Zinsou, der vom ehemaligen beninischen Staatspräsidenten Boni Yayi aufgestellt und ins Rennen geschickt wurde, nur 34,63 Prozent der abgegebenen Stimmen kriegen konnte. Im ersten Wahlgang, der am 6. März 2016 stattgefunden hatte, war Lionel Zinsou mit 28, 43 Prozent der abgegebenen Stimmen als Sieger  hervorgegangen. Patrice Talon hatte den zweiten Platz mit 24,73 Prozent im ersten Wahlgang belegt. Die überwältigende Mehrheit der 33 Kandidaten hatte sich dann nach dem ersten Wahlgang Patrice Talon im Hinblick auf den zweiten Wahlgang  angeschlossen. Sebastien Ajavon (der mit 22,96 Prozenz der Stimmen den dritten Platz im ersten Wahlgang belegte), Abdoulaye Bio-Tchane ( der mit 8,69 Prozent der Stimmen den vierten Platz belegte) und Pascal Irenee Koupaki (der mit 5,87 Prozent den fünften Platz belegte) hatten sich noch vor dem ersten Wahlgang darauf geeinigt, sich nach dem ersten Wahlgang zusammenzuschließen, um den bestplatzierten Kandidaten unter ihnen im zweiten Wahlgang zu unterstützen. Und das war Patrice Talon. Lionel Zinsou war schon seit dem ersten Wahlgang von den beiden wichtigsten Oppositionsparteien in Benin — Partei der Demokratischen Erneuerung von Adrien Houngbedji und Wiedergeburt Benins von Lehady Soglo —  unterstützt worden.

Allein die 28,43 Prozent von  Zinsou im ersten Wahlgang deuteten schon darauf hin, dass die überwältigende Mehrheit der beninischen Wählerschaft gegen ihn stimmen würde. Lionel Zinsou hatte darüber hinaus deshalb keine Chance, zum Staatspräsidenten Benins gewählt zu werden, weil er von Boni Yayi, einem bei den Beninern mißliebigen Staatspräsidenten geholt und ins Rennen geschickt wurde. Boni Yayi, der von 2006 bis zum 5. April 2016 Staatspräsident Benins gewesen war, warfen die Beniner Korruption, Amtsmißbrauch, Güntslingswirtschaft, Willkür, Vetternwirtschaft und Mißwirtschaft vor. Boni Yayi hatte Lionel Zinsou zum Premierminister im Juni 2015 ernannt — obwohl dieses Amt nicht einmal in der beninischen Verfassung vorgesehen ist — und ihn dann zum Kandidaten — gegen den Willen von manchen einflußreichen Mitgliedern seiner Partei Kauri-Kräfte für ein Aufstrebendes Benin — im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl 2016 gemacht. 

Zudem erzählen beninische Medien, dass Boni Yayi eine Abmachung mit „imperialistischen Ländern, Mächten und Kräften“ geschlossen hatte, wonach Boni Yayi alle Register ziehen sollte, um Lionel Zinsou dazu zu verhelfen, Staatspräsident Benins zu werden und Boni Yayi als Gegenleistung für erbrachte Leistungen Untersekretär der Vereinten Nationen werden würde. Daher hatte Boni Yayi Lionel Zinsou nahegelegt, den Sieg von Patrice Talon im zweiten Wahlgang nicht anzuerkennen. Lionel Zinsou hatte Patrice Talon in der Nacht vom 20. März zum 21. März 2016 gegen 2 Uhr angerufen, um ihm zu seinem Wahlsieg zu gratulieren. In der Tat hatte Lionel Zinsou nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse am Wahlabend festgestellt, dass sich ein Erdrutschsieg Patrice Talons abzeichnete. Am 21. März 2016 flog Boni Yayi heimlich nach Frankreich und kehrte später nach Benin zurück. Boni Yayi, der scheidende Staatspräsident Benins, sagte sogar, dass er seinem demokratisch gewählten Nachfolger Patrice Talon niemals die Macht übergeben würde. Anfang April 2016 und vor dem 6. April 2016 bat Boni Yayi um „Vergebung“. Er bat die Beniner darum, alles, was er während des Wahlkampfes gesagt und getan hätte, nur als „Wahlkampfintrigen“ zu betrachten.

Zusätzlich mißtrauen viele Beniner und Afrikaner  Zinsou, weil er sich  für die „Plünderung der  Reichtümer“ der afrikanischen Länder durch „imperialistische Kräfte“ einsetzt. Zinsou hatte am 21. Mai 2011 behauptet: „Es gibt etwas viel viel Wichtigeres, nämlich, dass Afrika Europa gehört […] Afrika gehört Europa […] Afrika gehört immer noch nicht den Afrikanern„. Seitdem betrachtet ihn die überwältigende Mehrheit der Beniner und Afrikaner als „Verräter“, „Blender“, „Werkzeug des Imperialismus“…Viele Beniner und Afrikaner betrachten die Theorie Zinsous als „Aufruf zur Rekolonialisierung Afrikas“. Im Januar 2016 legte der allafrikanische Milliardär, Unternehmer und Geschäftsmann Aliko Dangote (aus Nordnigeria)  seine Investionspläne in Benin vorerst auf Eis, als er erfuhr, dass Lionel Zinsou für das höchste Amt Benin kandidierte. Aliko Dangote nannte Zinsou einen „erbitterten internationalen Unterhändler im Dienste des französischen Kolonisators„, den Frankreich „auf eine versteckte Weise“ in einem „strategischen Staat wie Benin“ durchsetzen wollte. Am 21. Januar 2016 hielt der frühere beninische Staatspräsident Nicephore Soglo (der Vater von Lehady Soglo) eine Pressekonferenz in Cotonou, der Wirtschaftsmetropole Benins, auf der die Teilnehmer die Bilder und Äußerungen Lionel Zinsous vom 21. Mai 2011 sehen und hören konnten. Dann distanzierte sich Nicephore Soglo  von der von seinem Sohn Lehady Soglo getroffenen Wahl und stellte die Kandidatur Lionel Zinsous an den Pranger. „Unsere Weigerung, einen Kandidaten [Lionel Zinsou], der von den Mächten des Geldes und dem französischen Mauschelei-Klüngel zur Plünderung der Reichtümer Afrikas gefördert wird, zu unterstützen, begünden wir damit, dass jene Mauschelei-Klüngel zur Korruption greifen und diese benutzen und einsetzen, um afrikanische führende Persönlichkeiten in ihre Tasche zu stecken und die Plünderung unserer Länder unbehelligt fortzusetzen„, erklärte Nicephore Soglo am 21. Januar 2016 in Cotonou. Nicephore Soglo fragte sich zusätzlich, ob sein Sohn Lehady Soglo betört worden war, um Lionel Zinsou zu unterstützen; Nicephore Soglo bezeichnete das Verhalten seines Sohnes Lehady Soglo als „Hochverrat“.

Auch zahlreiche beninische Persönlichkeiten forderten Frankreich auf, eine Stellungnahme zu diesem Versuch  „Frankreichs“, den Beninern Lionel Zinsou als Staatspräsidenten aufzuzwingen, abzugeben.

Nachdem Lionel Zinsou im Juni 2015 zum Premierminister Benins ernannt worden war, fing er an, seine „Theorie“ umzusetzen. So berichten beninische Medien, dass Zinsou und Boni Yayi einem französischen Unternehmen dazu verhalfen, die Bauarbeiten der 3000 Kilometer langen Cotonou-Niamej-Uagadugu-Abidschan-Schienenschlaufe aufzunehmen, obwohl Petrolin, das Unternehmen des Beniners Samuel Dossou, die Rechte innehat, diese Schienenschlaufe zu bauen. Samuel Dossou klagte seine Rechte ein und ein Gericht in Cotonou forderte das französische Unternehmen auf, die Bauarbeiten sofort einzustellen. Als sich der damalige Staatspräsident Boni Yayi über den Beschluss des Gerichts von Cotonou hinwegsetzen wollte und das französische Unternehmen bat, die Bauarbeiten fortzusetzen, entschied das Gericht in Cotonou, dass das französische Unternehmen eine hohe Geldstrafe für jeden Tag zahlen würden, den das französische Unternehmen an der Baustelle der 3000 Kilometer langen Schienenschlaufe verbringen würde. Nur so wurden  Boni Yayi, Lionel Zinsou und das französische Unternehmen gezwungen, einzulenken und einen Rückzieher zu machen. Ein ehemaliger französischer Premierminister sagte sogar, dass der Leiter des französischen Unternehmens, das Zinsou und Boni Yayi widerrechtlich bevorzugen wollten, ein „Dieb“ sei, der sich das Vorhaben zur 3000 Kilometer langen Schienenschlaufe erschleichen wollte.

Beniner, Afrikaner und andere Menschen weltweit sind sich dessen bewusst, dass Lionel Zinsou  den für  Afrika unheilbringenden Auftrag und Plan hat, den Weg für die „Rekolonialisierung“ Afrikas und Plünderung der Reichtümer durch „imperialistische Länder und Kräfte“ zu ebnen. Im Übrigen erklären viele Menschen weltweit, auch wenn „imperialistische“ Länder, Mächte, Kräfte oder Organisationen in einem „Entwicklungsland“ investieren, zielen sie immer darauf ab, dieses Land zu plündern und bei demselben abzusahnen oder zu unterjochen, um das „Entwicklungsland“ daran zu hindern, sich frei und konstruktiv zu entfalten oder selbst zu verwirklichen.

Viele Menschen weltweit sind der Meinung, dass sich auch führende Persönlichkeiten und Nichtregierungsorganisationen aus „imperialistischen Ländern“  an der Bestechung und Korrumpierung der afrikanischen führenden Persönlichkeiten beteiligen, um die Plünderung der Reichtümer Afrikas durch „imperialistische Länder“ zu fördern und zu vertuschen. Anschließend wird dann den ausgeraubten afrikanischen Bevölkerungen „Hilfe“ angeboten, um ihnen  Sand in die Augen  zu streuen und sie abzulenken.

Robert Mugabe, der Staatspräsident Simbabues, hat einmal erklärt: „Sie [imperialistische Länder] wähnen, dass die Reichtümer Afrikas ihnen gehören„. Auch Muammar al-Gaddafi, der frühere „Führer der libyschen Revolution“, hat einmal behauptet, dass hochrangige und führende Persönlichkeiten aus „imperialistischen Ländern“ ihn öfters besuchten, um ihn darum zu bitten, einen Bruchteil der Gelder Libyens in „imperialistische Länder“ zu bringen und ihn dort zu verwahren, damit diese libyschen Gelder die Wirtschaft in diesen „imperialistischen Ländern“ unterstützen können. 

Viele Menschen weltweit sind der Ansicht, dass die „imperialistischen Mächte und Kräfte“ Muammar al-Gaddafi im Jahre 2011 ermordeten, weil sie sich an den Unsummen und dem Erdöl Libyens vergreifen, sich derselben bemächtigen und dieselben aneignen wollten. Zahlreiche Menschen weltweit vertreten die Ansicht, wonach die Destabilisierung Libyens  dem „imperialistischen Kodex“ entspreche, den „imperialistische Mächte und Kräfte“  vor mehr als 200 Jahren anfertigten.

Die überwältigende Mehrheit der Beniner hat bei der Präsidentschaftswahl 2016 in Benin erklärt, dass sie gegen die „Rekolonialisierung“ Benins und der Länder Afrikas sowie gegen die Plünderung der Reichtümer Benins und Afrikas durch „imperialistische Länder, Mächte und Kräfte“ gestimmt hat. Immer mehr Menschen sind der Auffassung, dass die Armut von manchen Bevölkerungsschichten in Afrika auf die Plünderung der Reichtümer Afrikas durch „imperialistische Länder, Mächte und Kräfte“ zurückzuführen ist.

Die „vorbildliche Demokratie“ Benins unterscheidet sich von der „rückschrittlichen Demokratie“ der  Machthaber von einigen französischsprachigen Ländern Afrikas.

In der „rückschrittlichen Demokratie“ wird die Verfassung manipuliert, damit der Machthaber die politische Macht bis zu seinem Tod ausüben kann. Der Machthaber fördert Schufte, bekämpft sein eigenes Volk, tritt persönliche Freiheiten mit Füßen, knebelt und verfolgt Andersdenkende, verbreitet die Korruption und die Plünderung der Staatskassen, manipuliert und fälscht ständig die Wahlen, ruiniert die Wirtschaft des Landes. Der Machthaber lässt keinen lauteren Wettbewerb sowohl innerhalb als auch außerhalb seiner Partei zu. Er lässt nur Andersdenkende zu, die ihm passen. Der Machthaber in einer „rückschrittlichen Demokratie“ mischt sich nicht unters Volk, weil er illegitim ist und deswegen um seine Sicherheit bangt. Eine legitime führende Persönlichkeit mischt sich gerne unters Volk und misstraut niemals ihrem Volk, weil sie dessen eingedenk ist, dass das Volk sie gewählt hat und infolgedessen sie unterstützt und beschützt.

Urheber: Der Welt-Leuchter — Porto-Novo, Benin

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