Marshall-Plan für Afrika?

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General George C. Marshall legte das „Europäische Wiederaufbauprogramm“ ( den Marshall-Plan“), das von 1948 bis 1952 lief, auf.

Seit einiger Zeit setzen sich manche Persönlichkeiten der Zeitgeschichte für die Einführung eines „Marshall-Plans für Afrika“ oder „Marshall-Plans mit Afrika“ ein. Marshall-Plan für Afrika“ oder „Marshall-Plan mit Afrika„, das ist Jacke wie Hose (es ist gehupft wie gesprungen), denn Afrika wird eigentlich als Empfänger in den beiden Formulierungen betrachtet. Im letzten Jahr (2016) sprach sich der beninische Staatspräsident Patrice Talon für die Einführung eines „Marshall-Plans“ zugunsten der afrikanischen Länder aus. Neulich ist demnach ein „Marshall-Plan mit Afrika“ in Deutschland ins Leben gerufen geworden. Es fragt sich aber, ob sich die Afrikaner und Afrikanerinnen für diesen in Deutschland ins Leben gerufenen „Marshall-Plan mit Afrika“ interessieren.  Patrice Talon vertritt nicht alle Afrikaner und Afrikanerinnen. Im Übrigen sind manche seiner Ansichten  oftmals in Benin selbst von der überwältigenden Mehrheit der Beniner und Beninerinnen scharf kritisiert beziehungsweise zurückgewiesen worden. Patrice Talon sagte beispielsweise kurz nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten Benins, dass er dringend die Hilfe Frankreichs benötigte, weil es keine „kompetenten Menschen“ in Benin gäbe. Die überwältigende Mehrheit der Beniner und Beninerinnen belehrte ihn aber eines Besseren und bewies, dass die Meinung Talons grundfalsch war und ist.

Der ursprüngliche „Marshall-Plan“ (eigentlich das „Europäische Wiederaufbauprogramm) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vom damaligen Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika George C. Marshall im Jahre 1947 angekündigt. Ziel des „Europäischen Wiederaufbauprogramms“ ( also des ursprünglichen „Marshall-Plans„) war es, das zerstörte Europa wiederaufzubauen, die Wirtschaft in europäischen Ländern anzukurbeln und den europäischen Ländern zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit und zum Wohlstand zu verhelfen. Das „Europäische Wiederaufbauprogramm“ ( der „Marshall-Plan„) war  zeitlich begrenzt; es lief von 1948 bis 1952. Im Rahmen des „Marshall-Plans“ von 1948 erhielten die Länder Westeuropas eine Wiederaufbauhilfe der Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Wiederaufbauhilfe belief sich damals auf über 12 Milliarden VSA-Dollar. Diese 12 Millairden VSA-Dollar entsprechen heute ungefähr 120 Milliarden VSA-Dollar. Die Wiederaufbauhilfe, die die Vereinigten Staaten von Amerika den Ländern Westeuropas gewährten, setzte sich aus Nahrungsmitteln, Rohstoffen, anderen Wirtschaftsgütern, Krediten und Spenden zusammen. 85 Prozent dieser Wiederaufbauhilfe erhielt jedes westeuropäische Land, das sich am Marshall-Plan beteiligte, unentgeltlich (gratis, kostenlos). Die übrigen 15 Prozent des „Marshall-Plans“ waren langfristige Darlehen, die die VS- Amerikaner den westeuropäischen Ländern bewilligten.

Wenn wir nun den „Marshall-Plan“ mit oder für Afrika sowie die heutige Situation in afrikanischen Ländern im Lichte des „Marshall-Plans“ von 1948 – 1952 unter die Lupe nehmen, werden wir feststellen, dass die afrikanischen Länder keine Rohstoffe brauchen, weil diese Länder über Rohstoffe im Überfluss verfügen. Auch wenn Menschen in manchen Gegenden Afrikas durch Hungersnöte bedroht werden, wissen viele Menschen weltweit, dass viele Länder in Afrika über Lebensmittel im Überfluss verfügen. Was Geld betrifft, verlangt die überwältigende Mehrheit von Afrikanern und Afrikanerinnen seit Jahrfünften, dass die jedes Jahr in afrikanischen Ländern gestohlenen und in andere Länder außerhalb Afrikas gebrachten Gelder den afrikanischen Völkern zurückgegeben werden — anstatt den afrikanischen Ländern Entwicklungshilfe zu gewähren. Zum Beispiel vergriff sich der frühere Staatspräsident Nigerias Sani Abacha an der Staatskasse Nigerias, stahl rund 5 Milliarden VSA-Dollar und brachte dieses Geld in Länder außerhalb Afrikas. Die 5 Milliarden VSA-Dollar sind keine Entwicklungsgelder aus dem Ausland — sie sind öffentliche Gelder Nigerias. Nun wollen die Nigerianer und Nigerianerinnen, dass dieses Geld ihnen gänzlich zurückgegeben wird, damit sie selbst viele ihrer Entwicklungsprojekte finanzieren.

Die Afrikaner und Afrikanerinnen sind der „Entwicklungshilfe“ der ehemaligen Kolonialmächte überdrüssig geworden, weil diese „Entwicklungshilfe“ keinem afrikanischen Land binnen 5 (fünf) Jahrzehnten zum flächendeckenden Wohlstand verholfen hat. Im Übrigen betrachten viele Afrikaner und Afrikanerinnen die „Entwicklungshilfe“ der ehemaligen Kolonialmächte als „Scheinhilfe„, die nur darauf abzielt, unter dem Deckmantel der  „Entwicklungshilfe“ den Wohlstand der Völker und Länder Afrikas zu unterminieren sowie die Ausbeutung der Völker und Länder Afrikas zu verewigen.Viele Menschen in Afrika und anderswo sind also der Ansicht, dass der „Marshall-Plan für Afrika“ nichts Neues bringt, zumal da dieser „Marshall-Plan mit Afrika“ (oder: „Marshall-Plan für Afrika“)  nicht verschieden von der bisherigen  „Entwicklungshilfe“ der ehemaligen Kolonialmächte ist. 

Hingegen findet die von  China, Japan, Indien, Russland, Südkorea, Singapur und anderen ostasiatischen Ländern in Afrika umgesetzte „hochmoderne Zusammenarbeit“ Anklang bei den meisten Afrikanern und Afrikanerinnen. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass China, Japan, Indien, Russland, Südkorea, Singapur und andere ostasiatische Länder  die Völker Afrikas nie kolonisiert haben — also nie ausgebeutet und nie Völkermorde in Afrika begangen haben. Zudem fördern die Länder der „hochmodernen Zusammenarbeit“ die rasche Industrialisierung und Entwicklung Afrikas.

Die Problem der Relevanz des neulich aufgelegten  „Marshall-Plans für Afrika“ beziehungsweise „Marshall-Plans mit Afrika“ stellt sich infolgedessen mit besonderer Schärfe, zumal da man den Eindruck gewinnt, dass es bei diesem „Marshall-Plan für Afrika“ („Marshall-Plan mit Afrika„) um „alten Wein in neuen Schläuchen“ geht.

Mit und dank der „hochmodernen Zusammenarbeit„, die von  China, Japan, Indien, Russland, Südkorea, Singapur und anderen ostasiatischen Ländern in den Ländern Afrikas derzeit umgesetzt wird, wird es Industrienationen und  Schwellenländer in Afrika in absehbarer Zeit geben. Die „hochmoderne Zusammenarbeit“ kreist um die Industrialisierung der Länder Afrikas, die Verarbeitung der riesigen Mengen an Natur- und Bodenschätzen der Länder Afrikas in Afrika, die Mechanisierung der Landwirtschaft, die Gründung von Unternehmen, die Errichtung von Fabriken, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die flächendeckende Entwicklung des Gesundheitswesens, die Personalentwicklung, die Wahrnehmung der sozialen Verantwortung der in afrikanischen Ländern tätigen Unternehmen…

Urheber: Mathias Victorien Ntep II, M.A. — Frankfurt am Main, Deutschland

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